DIE SCHLAFSTATT
„Da sind wir.“ Mit Schwung öffnet Rosalba die Tür zu einer bescheiden eingerichteten Dachkammer. Direkt über den schweren Holzbalken sind die Schindeln des Daches erkennbar.
Franzi hat bereits damit gerechnet, auf einem Strohsack nächtigen zu müssen. Zu ihrer Erleichterung springt ihr sofort ein schmales Bett an der rückwärtigen Mauer des Raumes ins Auge. Eine Schüssel zum Waschen steht auf dem kleinen Holztisch nahe dem Fenster und ein Nachttopf blitzt unter dem Bett hervor. Vom Fenster her zieht kalte Luft in den Raum, welche sich mit dem leicht muffigen Duft, der in diesem Gemäuer hängt, vermengt und die Geruchslage trotzdem nicht wirklich verbessert. Franzi ist sich bewusst, dass sie sich in dieser mittelalterlichen Stadt an deren Ausdünstungen gewöhnen muss. Der leise Hauch der Musik des Karussells dringt erneut an ihr Ohr.
„Schlafen Sie gut. Sie werden morgen zeitig von mir geweckt werden.“ Rosalba öffnet die Tür, eilt hinaus in den Flur. Gerade als die Tür ins Schloss gefallen wäre, dreht sie sich noch einmal um. Sie hebt irritiert die hellblaue Schürze an, welche eben noch grau gewesen ist. Dann schüttelt sie kurz den Kopf und holt ein Stück Seife aus einer Truhe. Diese legt sie zur Schüssel neben dem Tisch und lässt nun endgültig Franzi in der Kammer zurück, nicht ohne die Tür mit einem heftigen Ruck ins Schloss zu ziehen.
Franzi lässt sich auf der Bettkante nieder. Sie reibt die Hände gegeneinander. Sie fröstelt. Vorsichtig nimmt sie ihre Maske ab und betrachtet diese. Zuerst Venezianische Leber und jetzt also venezianische Stickerei. Es ist ihr bewusst, dass sie hier ein kostbares Unikat in den Händen hält.
Gähnend fällt sie zurück in ihr Bett, zieht die kratzige Decke bis hoch unter ihr Kinn und fällt in einen tiefen, traumlosen Schlaf.