Die Märchenaugen erzählen...






Die Märchenaugen kennen Franzi gut. Jedes Jahr zu Weihnachten wird ihr die Zeit zu knapp. Sie vergisst zu leben, zu lachen, das Leben zu genießen. Wäre da nicht dieser besondere Glanz in Franzis Augen, würden sie sich wirklich Sorgen um sie machen. Sie entscheiden, Franzi auf eine kleine Reise zu schicken....

PROLOG

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Draußen ist es unwirtlich und kalt. Die Arbeit türmt sich auf Franzis Schreibtisch. Sie seufzt. Morgen ist Weihnachten. Franzi beantwortet noch die dringendsten Emails und sortiert letzte Dokumente ein. Sie möchte nach den Feiertagen kein Chaos im Büro vorfinden. Sie schaltet die Heizung auf Ferienbetrieb und schließt das Büro ab. Zuhause holt sie die Schachteln mit dem Weihnachtsschmuck vom Dachboden. Sie öffnet eine davon und betrachtet das bunte Sammelsurium aus fein gearbeiteten Christbaumanhängern aus Glas, filigranem Porzellan, Ton und Blech. Goldene Engel, lustige Figürchen, Schneemänner, rote-weiße Zuckerstangen, Herzen und kleine Pferdchen finden sich in dieser Schachtel. 

Ihr Blick verfängt sich an einem kleinen Zirkuspferd. Sie nimmt den Anhänger in die Hand und streicht mit einem Finger vorsichtig über die glatt polierte Oberfläche.  Franzi betrachtet das weiße Pferdchen von allen Seiten. Es wirkt schon etwas ramponiert. Eine leicht melancholische Stimmung macht sich in ihr breit. Die Vergänglichkeit ihres Lebens, aber auch mancher Dinge, die sie über Jahre gesammelt hat, wird ihr wieder einmal bewusst.   Sie legt das Pferdchen wieder in die Schachtel mit ihren anderen Weihnachtsschätzen zurück.  Gähnend beschließt sie, den Weihnachtsbaum erst morgen aufzuputzen. Es fehlt ihr heute die Kraft dafür. Müde und erschöpft kuschelt sie sich in ihr Bett. Im Schlafzimmer ist es kalt. Gut eingepackt in ihre warme Daunendecke schläft sie rasch ein..

ADVENTKALENDER 2025

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Meine Motivation

Ich bin die Enkelin des Schreibers eines kleinen Dorfes im Mühlviertel. Er war der Gemeindesekretär. Doch mein Großvater war sehr viel mehr als bloßer Angestellter der Gemeinde:
Abends kamen oft Nachbarn, baten ihn Briefe von Behörden vorzulesen und passende Antworten zu verfassen. Sie ersuchten ihn auch private Briefe zu schreiben. Da saßen dann in der ärmlichen Stube meiner Großeltern, Bauern, Kleinhäusler und Handwerker aus der Region und erzählten was mitzuteilen sei. Mein Großvater formulierte aus dem Erzählten den passenden Brief. 

"Bist Du die Tochter vom Schreiber Karli?", fragten mich die alten Schneiderinnen als ich als kleines Mädchen bei meiner Oma zu Besuch war. Der Schreiber Karli ist mein Vater. Der Sohn vom Schreiber.

"Schreiber". Wichtig klang das. Besonders.
Das wollte ich auch können: Schreiben.

So wurde ich zur Geschichtenschreiberin.