PAOLO
Vorsichtig öffnet Franzi den Deckel der Schatulle. Eingeschlagen in zarter Seide findet sie darin eine goldene, mit roten Stickereien eingefasste Maske. Franzi ist fassungslos. „Das ist sie! Das ist meine Maske.“ Mit Tränen in den Augen setzt sie die Maske auf. Die Träume der letzten Nacht, welche eben noch fast lächerlich erschienen sind, werden plötzlich zu realen Erinnerungen. Die ferne Musik wird lauter und lauter. Der Raum beginnt sich langsam zu drehen. Auch Franzi dreht sich. Sie fühlt plötzlich das blaue Cape über ihren Schultern, der Saum des roten Kleides umspielt die fein angepassten Schuhe an ihren Füßen. Ihre Hausschuhe sind verschwunden. Franzis Herz wird leicht. Es hüpft.
Sie spürt seine Anwesenheit, bevor sie ihn sieht. Langsam dreht sie sich um. Auch dieses Mal ist sein Gesicht hinter einer Maske verborgen. Mit einer Verbeugung reicht er ihr den Arm. Mit leiser Stimme flüstert er: „Meine Königin. Darf ich bitten?“
Die Musik schwillt an. Ein ganzes Schneeflocken-Orchester hat draußen am Nachthimmel Platz genommen. Es bringt den Nachthimmel zum Leuchten. Franzi strahlt über das ganze Gesicht. Der Zauber von Weihnachten. Er wirkt bei ihr noch immer. Mit möglichst viel Würde legt sie ihre Hand auf den angebotenen Arm. So lässt sie sich zur Türe hinaus in die Nacht führen.
Dort, wo gerade noch eine Terrasse mit kitschigem Weihnachtsdekor war, öffnet sich jetzt eine weit ausladende Tanzfläche. Die beiden drehen sich einander zu. Tanzhaltung. Franzi hofft darauf, sich nicht allzu sehr zu blamieren. Sie zählt leise den Takt. Sie hat keine Tanzroutine. Ihre Finger schließen sich über den Seinen. „Wie muss ich starten?“, flüstert sie leise. „Links zurück.“ So beginnen sie sich vorsichtig, den gemeinsamen Rhythmus suchend, im Kreis zu drehen. Erst langsam, dann immer schneller. Sie tanzen anfangs zum Takt der Musik und später zum Rhythmus ihrer Herzen. Sie verlieren sich nicht nur in ihren Augen, sie verlieren sich auch in der Zeit. Allmählich beginnen die beiden zu schweben. Ganz langsam, nur von ihren Gefühlen getragen, tanzen sie in den Nachthimmel hinein.
„Ich bin gekommen, um dir meinen Namen zu sagen.“
Franzi lächelt.
„Paolo. Mein Name ist Paolo.“